Offener Brief an Bundesrat und Parlament
Für eine Neutralität, die das Völkerrecht stärkt.

Mit dem offenen Brief fordern wir eine zeitgemässe Schweizer Neutralität. Statt sich weiterhin primär am Haager Abkommen von 1907 zu orientieren, soll die Schweiz die UNO-Charta ins Zentrum ihrer Neutralitätspolitik stellen. So soll sie ihren völkerrechtlichen Handlungsspielraum nutzen können, um Staaten wie beispielsweise die Ukraine zu unterstützen, die völkerrechtswidrig angegriffen werden.
Als kleinerer Staat ist die Schweiz wirtschaftlich und sicherheitspolitisch auf eine stabile internationale Ordnung angewiesen, in der das Völkerrecht gilt. Diese Ordnung zu stärken, liegt auch im Interesse der Schweiz. Das Völkerrecht unterscheidet zwischen einem Aggressor und einem Staat, der völkerrechtswidrig angegriffen wird. Diese Unterscheidung soll die Schweiz künftig in ihrer Neutralitätspolitik machen können.
Offener Brief an den Bundesrat und die Bundesversammlung
Sehr geehrte Mitglieder des Bundesrates und der Bundesversammlung
Die Schweiz ist auf eine internationale Ordnung angewiesen, in der das Recht stärker ist als militärische Gewalt. Die Schweiz trägt mit ihrer Aussen- und Sicherheitspolitik zur Stärkung dieser Ordnung bei.
Unsere Forderung
Wir fordern den Bundesrat auf, das Neutralitätsrecht so zu interpretieren und die Neutralitätspolitik so zu gestalten und anzuwenden, dass
- die Neutralität einen Beitrag zur Sicherheit der Schweiz leistet.
- die Neutralität einer umfassenden Unterstützung völkerrechtswidrig angegriffener Staaten bei ihrer Selbstverteidigung nicht entgegensteht. Dazu können diplomatische und wirtschaftliche Massnahmen, humanitäre, finanzielle und zivile Hilfe sowie die Lieferung und Wiederausfuhr von Rüstungsgütern gehören. Der völkerrechtlich zulässige Handlungsspielraum soll vollständig genutzt werden. Die Schweiz soll die Freiheit haben, der UNO-Charta Vorrang vor dem Haager Neutralitätsrecht zu geben.
Warum dies nötig ist
Ein Angriffskrieg verletzt die UNO-Charta. Ein völkerrechtswidrig angegriffener Staat hat das Recht, sich zu verteidigen. In klaren Fällen soll die Schweiz Angreifer und Opfer deshalb nicht gleichbehandeln und die Verteidigung des angegriffenen Staates nicht erschweren.
Die Schweiz soll neutral bleiben, keiner Kriegspartei beitreten und keine eigenen Truppen für Kampfeinsätze entsenden. Neutralität darf jedoch nicht zum Schutzschild für einen Aggressor werden. Wer einen angegriffenen Staat bei der Selbstverteidigung unterstützt, stärkt das Gewaltverbot und damit auch die Sicherheit der Schweiz.
Wir ersuchen den Bundesrat, auf dieser Grundlage eine UN-konforme neue Neutralitätskonzeption zu beschliessen.
Für eine Neutralität, die dem Frieden dient und das Völkerrecht stärkt.
Lancement : 26. septembre 2026
Délai de soumission: 19. octobre 2026
soutiens
Günther Bächler, Martin Bernet, Raphaël Bez, Raffael Büchi, Wolfgang Bürgstein, Thomas Cottier, Libero Delucci, Martin Elbel, Julius Felix, Marielène Froidevaux, Raymond Gatter, Ulrich Gut, Christian Häberli, André Holenstein, Ruedi Iseli, Jean-Pierre Jeannet, Marco Jorio, Anita Jud, Georg Kreis, Pascal Mayer, Olivier Meuwly, Lukas Meyer, Markus Mohler, Jona Neidhardt, Barbara Polek, René Rhinow, Urs Saxer, Roland Schumacher, Paul Seger, Sandro Studer, Claudia Weber, Friedrich Weibel, Philippe Welti, Peter Weishaupt, Adrian Wiedmer, Alex Winter, Markus Wirth, Daniel Woker, Rena Zulauf
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